Die Gleichbehandlung aller Menschen und aller Meinungen sollte in einer freiheitlichen Gesellschaft der Grundsatz sein.
Sobald jedoch bestimmte Gruppen oder Ideologien bevorzugt oder stärker geschützt werden als andere, ergibt sich eine Schieflage. Dies geschieht oft unter dem Deckmantel von „Sensibilität“, „Schutz vor Diskriminierung“ oder „historischer Verantwortung“. Doch letztlich ist es eine Form von Meinungskontrolle, die nicht mehr durch objektive Rechtsnormen, sondern durch subjektive Maßstäbe geregelt wird.
Das führt zu der zentralen Frage: Ist die Gesellschaft wirklich bereit, sich auf echte Meinungsfreiheit einzulassen – auch wenn das bedeutet, dass einige sich angegriffen oder verletzt fühlen?
Oder akzeptiert sie stattdessen eine gelenkte Diskussionskultur, in der bestimmte Themen, Gruppen oder Ideologien von Kritik oder Satire ausgenommen werden?
Wenn Meinungsfreiheit wirklich universell gelten soll, dann muss sie auch Aussagen schützen, die unangenehm oder provokant sind – solange sie nicht gegen das Gesetz verstoßen. Sobald jedoch soziale oder politische Mechanismen bestimmen, was gesagt werden darf, rückt die Gesellschaft von echter Meinungsfreiheit ab und bewegt sich in Richtung einer gesteuerten Debattenkultur.

Die Herausforderung besteht darin, dass sich viele westliche Gesellschaften an bestimmte Tabus gewöhnt haben und sie aus sozialen oder politischen Gründen aufrechterhalten.
Diese Praxis widerspricht jedoch dem Prinzip der Gleichbehandlung und führt zu einer inkonsequenten Anwendung von Meinungsfreiheit. Wenn es erlaubt ist, sich über das Christentum oder andere Religionen lustig zu machen, dann sollte das auch für jede andere Religion gelten – unabhängig von möglichen Empfindlichkeiten oder Drohkulissen.
Das eigentliche Problem ist, dass viele Menschen, Institutionen und Medien genau diese Doppelmoral praktizieren: Während das Christentum und andere Religionen oft Gegenstand von Satire oder Kritik sind, wird der Islam oft ausgespart – nicht aus Respekt, sondern aus Furcht vor negativen Reaktionen. Diese Ungleichbehandlung führt langfristig nicht zu mehr Verständnis oder Frieden, sondern schafft Spannungen, weil sie Ungerechtigkeit suggeriert.
Ich halte es für ein wichtiges Prinzip, entweder alle oder keinen zu kritisieren, wenn es um Religion geht. In einer wirklich freien Gesellschaft darf es keine Tabus geben, die aus Angst aufrechterhalten werden. Denn sobald Angst das Maß der Dinge wird, ist Meinungsfreiheit nicht mehr universell, sondern konditioniert.