Meldestelle für Gefühle – Die neue Staatsschutzbehörde für gekränkte Seelen

Willkommen im Jahr 2025, dem goldenen Zeitalter der verletzten Befindlichkeiten! Wo früher ein Mensch Rückgrat hatte, hat er heute eine Meldestelle. Und zwar nicht irgendeine – sondern die Meldestelle gegen Diskriminierung, wo jeder, der sich irgendwie, irgendwo, irgendwann gekränkt fühlt, sogleich zum Staatsanwalt des Guten wird.

Einst reichten Gestapo und Stasi – heute reicht ein Formular.
„Ich habe mich diskriminiert gefühlt, weil der Bäcker mir keine Bio-Dinkel-Schrippe geben konnte – weil sie aus war!“
Ein Fall für die Akten, dringend! Das könnte strukturell sein. Oder systemisch. Oder – schlimmer noch – unbewusst!

Anonyme Meldung erwünscht. Beweise? Ach was, Gefühle reichen völlig.

Denn in der neuen Republik der Empfindlichkeiten zählt nicht, was passiert ist – sondern wie es sich angefühlt hat. Die subjektive Wahrheit ersetzt Belege, Argumente oder gar gesunden Menschenverstand.

Früher:
„Der Nachbar hört West-Radio – melden!“ (DDR, MfS)
Heute:
„Der Kollege hat beim Gendern gezögert – melden!“ (Diskriminierungsbeauftragte)

Früher:
„Ein Volk, ein Reich, ein Führer“
Heute:
„Ein Gefühl, ein Trigger, ein Tweet“

Aber bitte keine Vergleiche mit der Vergangenheit – das wäre ja „relativierend“.
Nur schade, dass die Struktur so ähnlich ist: Zentrale Meldestellen, diffuse Begriffe („Diskriminierung“, „Hass“, „toxisch“), eine Atmosphäre des Misstrauens – und natürlich: die totale moralische Selbstgerechtigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen einer modernen Meldestelle und der Blockwartmentalität in der DDR?
Heute darf man’s online tun. Und bekommt eine Empfangsbestätigung.

Wer sich in diesem neuen Klima nicht korrekt ausdrückt – wer es wagt, ironisch zu sein, robust zu diskutieren oder einfach nur anderer Meinung zu sein – läuft Gefahr, zum Fall zu werden. Nicht weil er objektiv schuldig wäre, sondern weil sich jemand subjektiv gestört fühlt. Und das genügt.

Das moderne Denunziantentum trägt Hoodie statt Uniform.
Es kommt mit einem Lächeln, nicht mit dem Schlagstock.
Doch seine Wirkung – das Aushöhlen von Vertrauen, Freiheit und Diskurs – ist ähnlich fatal.

Meldestellen, wohin man schaut. Nur Rückgrat, das gibt’s immer seltener zu melden.